Dienstag, 13. Mai 2008

1. Halbzeit des Wuestenritts

Heute ist unser erster Ruhetag. Da das ganze in einer kleinen Stadt mit Internet ist, kann ich also hiermit meinen ersten Beitrag aus Mexico schreiben. Ich weiss gar net wo ich anfangen soll, es ist so wahnsinnig viel passiert seit wir hier sind, so oft fallen Saetze wie "Weisst du noch wie wir in Tijuana auf die anderen gewartet haben, das fuehlt sich an wie vor 3 Monaten". So hat also mehr oder weniger alles angefangen. Jonah und ich warten um 23.00 Uhr in Tijuana auf die anderen um abgeholt zu werden und Tijuana is mal einfach ein Mega-Drecksloch wo man sich einfach nicht wohl fuehlt. Von dort aus gings dann also am naechsten Tag los, naja noch nicht ganz. Da in den Estados Unidos die beschissensten aller Grenzbeamten sitzen, musste ich nochmal fuer 2 Stunden ueber die Grenze um meine Ausreise zu regeln, aber die Geschichte is so dumm und viel zu umstaendlich, die kriegt ihr, wenn ihr ihr wollt, bei nem guten Bier, wenn ich wieder daheim bin. Bis Ensenada war die Radlerei minder schoen, aber das wussten wir. Erst durch Tijuana, dann illegal auf der Autobahn, viel Verkehr, und und und...
Danach wurde es dann verkehrsmaessig immer ruhiger, schoener, auch heisser, bergiger, anstrengender, duenner besieselt und die Tour nahm Gestalt an.
Dass ich immer schoen Radlreisetagebuch schreib (welches gerade nicht neben mir liegt), hilft mir die Chronologie der Ereignisse nicht zu vergessen. Die Bilanz der vergangenen 13 Tage sieht in etwa so aus: 730 km, 3 Flicken auf dem Schlauch meines Hinterreifen bevor er dann komplett ausgetauscht wurde, 3 Unfaelle (einmal Truck in Spanier, einmal Deutscher in Spanier und einmal Deutscher in Kanadier), Jonah hat mal nachts gekotzt und hat am Folgetag 80km durchgehalten, 2 grosse lebendige Schlangen am Strassenrand, schaetzungsweise 150 tote auf der Strasse, 30 tote Hunde, 2 neue Rahmen bei Team Spanien, einer bei Team Germany, 2 Reperaturen mit Stein und Socke, Rekord liegt bei 5 mal Camping in Folge (das heisst 5 Tage ohne Dusche, Spiegel, neuer Waesche, usw.), Team Canada schwaechelt, Team España kommt langsam in Form, Team Germany ist nach wie vor fit wie ein Turnschuh, ein kleiner Skorpion IN meinem Zelt, Zelt in 3. Nacht kaputt gegangen, der Mexikaner ist uns abgehauen, weil wir ihm zu traege waren (der Wahnsinnige faehrt offensichtlich von Sonnenauf- bis Untergang durch), wir waren zwischendurch auf 1000 Hoehenmeter, es windet brutalst, die Naechte sind kalt, das Angebot der kleinen Laeden ist abwechslungsreich wie die Pulloverwahl des Herr Hums, ein LKW faehrt im Schnit 30 cm an uns vorbei, oben ohne sehen wir aus als ob wir T-Shirts tragen, Guillermo kann keine Tortillas mehr sehen, landschaftlich is echt was geboten, wir haben gestern per Fahrrad eine neue Zeitzone erreicht, die Strassen waren bisher meist recht gut, wir wurden noch nicht ausgeraubt, mein Spanisch ist und bleibt wohl auch sehr bescheiden, ist aber weit besser als das durchschnittliche Englich hier, ab und an faehrt eine kleine Armee an uns vorbei, die Waschmaschinen gestern waren ihren Aufgaben nicht gewachsen...
Morgen gehts in alter, neuer Frische weiter und da es bis San Ignacio recht easy going sein soll, planen wir unseren ersten Ueber -100 km - Tag. Was aber auf alles Faelle schon feststeht ist, dass dieser Radl-Ausflug mit dem Radl sicherlich einer der Hoehepunkte meiner Reise ist. Dann schaut euch mal alle fleissig die Bilder im Fotoalbum an!!
gruss jul